B xxix–xxx (AA 3:18.33–19.09)korpora.org, AA III 18–19
Ich kann also Gott, Freiheit und Unsterblichkeit zum Behuf des nothwendigen praktischen Gebrauchs meiner Vernunft nicht einmal annehmen, wenn ich nicht der speculativen Vernunft zugleich ihre Anmaßung überschwenglicher Einsichten benehme, weil sie sich, um zu diesen zu gelangen, solcher Grundsätze bedienen muß, die, indem sie in der That bloß auf Gegenstände möglicher Erfahrung reichen, wenn sie gleichwohl auf das angewandt werden, was nicht ein Gegenstand der Erfahrung sein kann, wirklich dieses jederzeit in Erscheinung verwandeln und so alle praktische Erweiterung der reinen Vernunft für unmöglich erklären. Ich mußte also das Wissen aufheben, um zum Glauben Platz zu bekommen, und der Dogmatism der Metaphysik, d. i. das Vorurtheil, in ihr ohne Kritik der reinen Vernunft fortzukommen, ist die wahre Quelle alles der Moralität widerstreitenden Unglaubens, der jederzeit gar sehr dogmatisch ist.
Thus I cannot even assume God, freedom and immortality for the sake of the necessary practical use of my reason unless I at the same time deprive speculative reason of its pretension to extravagant insights, because in order to reach these it must make use of such principles as, since in fact they reach only to objects of possible experience, if they are nevertheless applied to what cannot be an object of experience, actually always transform this into appearance and so declare all practical extension of pure reason impossible. I therefore had to annul knowledge in order to make room for faith; and the dogmatism of metaphysics, that is, the prejudice of getting on in it without a critique of pure reason, is the true source of all the unbelief that conflicts with morality, which is always very dogmatic. — the project