Anhang, Kritik der Kantischen Philosophie, the paragraph beginning »Mit der in der ersten Auflage« (ZA II 534–535)zeno.org, Zürcher Ausgabe vol. 2, Anhang
Mit der in der ersten Auflage der »Kritik der reinen Vernunft« so deutlich ausgesprochenen, entschieden idealistischen Grundansicht steht jedoch die Art, wie Kant das Ding an sich einführt, in unleugbarem Widerspruch, und ohne Zweifel ist dies der Hauptgrund, warum er in der zweiten Auflage die angegebene idealistische Hauptstelle supprimirte, und sich geradezu gegen den Berkeleyschen Idealismus erklärte, wodurch er jedoch nur Inkonsequenzen in sein Werk brachte, ohne dem Hauptgebrechen desselben abhelfen zu können. Dieses ist bekanntlich die Einführung des Dinges an sich, auf die von ihm gewählte Weise, deren Unstatthaftigkeit von G. E. Schulze im »Aenesidemus« weitläuftig dargethan und bald als der unhaltbare Punkt seines Systems anerkannt wurde. Die Sache läßt sich mit sehr Wenigem deutlich machen. Kant gründet die Voraussetzung des Dinges an sich, wiewohl unter mancherlei Wendungen verdeckt, auf einen Schluß nach dem Kausalitätsgesetz, daß nämlich die empirische Anschauung, richtiger die Empfindung in unsern Sinnesorganen, von der sie ausgeht, eine äußere Ursache haben müsse. Nun aber ist, nach seiner eigenen und richtigen Entdeckung, das Gesetz der Kausalität uns a priori bekannt, folglich eine Funktion unsers Intellekts, also subjektiven Ursprungs; ferner ist die Sinnesempfindung selbst, auf welche wir hier das Kausalitätsgesetz anwenden, unleugbar subjektiv, und endlich sogar der Raum, in welchen wir mittelst dieser Anwendung die Ursache der Empfindung als Objekt versetzen, ist eine a priori gegebene, folglich subjektive Form unsers Intellekts. Mithin bleibt die ganze empirische Anschauung durchweg auf subjektivem Grund und Boden, als ein bloßer Vorgang in uns, und nichts von ihr gänzlich Verschiedenes, von ihr Unabhängiges, läßt sich als ein Ding an sich hineinbringen, oder als nothwendige Voraussetzung darthun. Wirklich ist und bleibt die empirische Anschauung unsere bloße Vorstellung: es ist die Welt als Vorstellung. Zum Wesen an sich dieser können wir nur auf dem ganz anderartigen, von mir eingeschlagenen Wege, mittelst Hinzuziehung des Selbstbewußtseyns, welches den Willen als das An sich unserer eigenen Erscheinung kund giebt, gelangen: dann aber wird das Ding an sich ein von der Vorstellung und ihren Elementen toto genere Verschiedenes; wie ich dies ausgeführt habe.
With the decidedly idealistic basic view so clearly expressed in the first edition of the »Critique of Pure Reason«, however, the way in which Kant introduces the thing in itself stands in undeniable contradiction, and without doubt this is the chief reason why in the second edition he suppressed the idealistic main passage indicated and declared himself outright against Berkeleyan idealism, by which however he only brought inconsistencies into his work without being able to remedy its chief defect. This, as is well known, is the introduction of the thing in itself in the manner he chose, whose inadmissibility was set forth at length by G. E. Schulze in the »Aenesidemus« and was soon recognized as the untenable point of his system. The matter can be made clear with very little. Kant grounds the presupposition of the thing in itself, though concealed under various turns of phrase, on an inference according to the law of causality: namely, that empirical intuition, more correctly the sensation in our sense organs from which it proceeds, must have an external cause. Now however, according to his own correct discovery, the law of causality is known to us a priori, consequently a function of our intellect, hence of subjective origin; further, the sensation itself, to which we here apply the law of causality, is undeniably subjective, and finally even space, into which by means of this application we transfer the cause of the sensation as object, is an a priori given, consequently subjective form of our intellect. Hence the whole empirical intuition remains throughout on subjective ground and soil, as a mere process in us, and nothing wholly different from it, independent of it, can be brought into it as a thing in itself, or be shown to be a necessary presupposition. Empirical intuition really is and remains our mere representation: it is the world as representation. To the essence in itself of this we can arrive only by the wholly different route I have taken, by bringing in self-consciousness, which makes known the will as the in-itself of our own appearance: but then the thing in itself becomes something toto genere different from representation and its elements; as I have set out. — the project